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Change Management mit der 3DEXPERIENCE Plattform: So steuern Sie technische Änderungen

in 3DEXPERIENCE, Tipps & Tricks
Veröffentlicht: 26. September 2025/Zuletzt geändert: 10. Februar 2026/Lesezeit: 7 Minute(n)/von Lionel Réveillère

In der Produktentwicklung sind Änderungen unvermeidlich. Ob durch neue Anforderungen, gefundene Fehler oder Optimierungspotenziale. Entscheidend ist dabei nicht nur, dass Änderungen korrekt umgesetzt werden, sondern auch, dass sie strukturiert dokumentiert, nachvollziehbar gesteuert und effizient koordiniert werden.

Genau hier setzt Change Management mit der 3DEXPERIENCE Plattform von Dassault Systèmes an. Sie stellt integrierte Anwendungen bereit, mit denen Sie den kompletten Änderungsprozess von der Problemidentifikation bis zur Freigabe der neuen Produktrevision digital abbilden und teamübergreifend durchführen können.

In diesem Technical Tip zeigen wir anhand eines konkreten Szenarios, wie Unternehmen mit 3DEXPERIENCE ein durchgängiges und transparentes Änderungsmanagement realisieren und dabei sowohl mechanische als auch elektrische Komponenten nahtlos berücksichtigen.

Warum strukturiertes Change Management wichtig ist

Spontane oder schlecht dokumentierte Änderungen in der Konstruktion und der Entwicklung führen schnell zu Inkonsistenzen: veraltete Zeichnungen, fehlerhafte Fertigungsdaten oder doppelte Arbeit. Mit einem definierten, digitalen Change-Management-Prozess lassen sich genau diese Risiken vermeiden:

  • Verantwortlichkeiten sind klar definiert
  • Änderungen werden nachvollziehbar dokumentiert
  • Alle Beteiligten arbeiten auf derselben Datenbasis
  • Fehlproduktionen und Rückfragen werden reduziert

Das Anwendungsszenario: Interdisziplinäre Produktüberarbeitung

In unserem Beispiel durchläuft ein Produkt eine klassische Design-Review-Sitzung. Dabei entdeckt das Team ein Problem, das sowohl mechanische als auch elektrische Komponenten betrifft. Ziel ist es, den kompletten Änderungsprozess mit den passenden 3DEXPERIENCE-Anwendungen zu durchlaufen.

Schritt 1: Review und Problemidentifikation mit „Product Explorer“ und „Issue 3D Review“

Während einer Design-Review-Sitzung verwendet das Team den Product Explorer, um die Struktur und die mit dem Produkt verbundenen Daten in 3D zu erkunden und die Genehmigung aller Komponenten abzuschließen. Die Beteiligten identifizieren visuell die Komponenten und ihre Beziehungen in einer übersichtlichen und interaktiven Benutzeroberfläche.

3DEXPERIENCE ENOVIA Software: Produktstrukturansicht mit Cardan-Baugruppenmodell.

Nach dem Entwurf des ersten Prototyps wird eine gründliche Analyse direkt am 3D-Modell durchgeführt. Mit der Anwendung Issue 3D Review werden die festgestellten Anomalien einzeln in einem Review-Bericht festgehalten:

  • Eine Anomalie wird erkannt: ein mechanisches Ausrichtungsproblem, das eine elektrische Unterbaugruppe beeinträchtigt.
    Der zugewiesene User erstellt ein Issue Item.

Das Problem wird dokumentiert, indem Anmerkungen und Bilder hinzugefügt werden, die sich im Item Issue befinden, das wiederum mit den betroffenen physischen Produkten verknüpft ist.

3D-Modell eines Bauteils in ENOVIA 3DEXPERIENCE Umgebung auf einem Bildschirm. Neue Aufgabe im Software-Ticket-System zu einem Problem mit der Konzentrizität bei elektrischen Kabeln.

Software-Oberfläche zeigt neue Fehlermeldung zur Konzentrizität für bracket- und Assemblage-Kartenprodukte.

Schritt 2: Problemformalisierung über „Change Requests“

Nach Diskussionen und Bestätigung der Anomalie durch die Beteiligten:

  • Zur Lösung des Problems werden zwei Change Requests (CR) erstellt:
    • Change Request 1: Sofortiges Management zur Lösung des Problems bei bereits hergestellten Produkten. Das Management genehmigt die Änderungen für die aktuelle Produktionslinie.
      Screenshot eines Änderungsanforderungsfensters in ENOVIA zur Produktionsbehebung.
    • Change Request 2: Langfristige Lösung, die auf die nächste Überarbeitung des Produkts abzielt. Dies bedeutet, dass die Entwürfe aktualisiert werden müssen, um zu verhindern, dass das Problem bei Produkten, die sich noch in der Entwurfsphase befinden, und bei zukünftigen Produkten erneut auftritt.

Die „Change Request„-Objekte werden dann von den Beteiligten über spezielle Arbeitsabläufe genehmigt.

Schritt 3: Umsetzung durch „Change Orders“

Für jeden genehmigten Change Request werden Change Orders (CO) definiert, die jeweils auf einen bestimmten Bereich ausgerichtet sind.

  • CO1 (Mechanisches Team): Verantwortlich für die Lösung des Problems der mechanischen Ausrichtung.
    • Deliverables: Aktualisierung der 3D-Modelle, Überprüfung der Prototypen und Verteilung der überarbeiteten Fertigungsanweisungen.
      ENOVIA-Software-Bildschirm zeigt Menü zur Verwaltung von Änderungsaufträgen. Option für neuen Änderungsauftrag ausgewählt.
  • CO2 (Elektrisches Team): Verantwortlich für die Sicherstellung, dass die elektrischen Unterbaugruppen nach der Korrektur korrekt integriert werden.
    • Deliverables: Aktualisierung des elektrischen Designs und Revalidierung der Leiterplatten (PCB).

Schritt 4: Detailarbeit mit „Change Actions“

Jede ‚Change Order‘ wird dann in Aktionen aufgegliedert, die auf jedes 3D-Element angewendet werden müssen, und die Arbeit in SOLIDWORKS kann durchgeführt und automatisch mit den „Change Actions“ (CA) verknüpft werden:

  • Mechanische Massnahmen:
    1. Aktualisierung der 3D-CAD-Modelle und der mechanischen Zeichnungen mit CATIA oder SOLIDWORKS.
    2. Tests der zusammengebauten Prototypen zur Validierung der Korrekturen.
    3. Einreichen der aktualisierten Dokumentation zur Validierung.
      Benutzeroberfläche der Software für Änderungsmanagement mit Details zu CO1 und Optionen von Visiativ LRE.
    4. Dialogfeld zur Erstellung einer neuen Änderungsaktion mit Eingabefeldern für Titel und Berechtigungen.
  • Elektrische Massnahmen:
    1. Anpassung der Leiterplatten (PCB) an die neuen mechanischen Toleranzen.
    2. Elektrische Leistungstests, um die Konformität zu gewährleisten.
    3. Aktualisierung der Stücklisten (BOM) und Freigabe der neuen Revisionen für die Produktion.

Schritt 5: Kontrolle, Nachvollziehbarkeit und Abschluss

Nach Abschluss aller Change Actions werden diese validiert und als erledigt markiert. Sobald alle Maßnahmen einer Change Order abgeschlossen sind, gilt auch diese als umgesetzt. Gleiches gilt für den Change Request – der gesamte Prozess ist damit abgeschlossen.

Das Besondere: Jeder einzelne Schritt im Änderungsprozess ist transparent nachvollziehbar.

  • Welche Komponente wurde wann und wie geändert?
  • Wer war an der Änderung beteiligt?
  • Welche Revision wurde freigegeben?
  • Wie hängen Probleme, Maßnahmen und Lösungen zusammen?

Diese End-to-End-Nachvollziehbarkeit schafft Vertrauen, reduziert Rückfragen und stärkt die Produktqualität – gerade bei komplexen, interdisziplinären Produkten.

Fazit: Warum Change Management mit 3DEXPERIENCE ein Wettbewerbsvorteil ist

Der strukturierte Umgang mit technischen Änderungen entscheidet oft über den Projekterfolg. Die 3DEXPERIENCE Plattform bietet dafür ein durchgängiges Framework:

  • Integrierte Anwendungen für alle Schritte
  • Zentrale Datenbasis für alle Beteiligten
  • Revisionssicherheit und volle Rückverfolgbarkeit

Gerade in Unternehmen, in denen Mechanik, Elektrik und Software eng zusammenarbeiten müssen, ist dieser strukturierte Änderungsprozess ein echter Vorteil.

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Autor: Lionel Réveillère
Lionel Réveillère

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Lionel ist seit 2022 Application Engineer für 3DEXPERIENCE bei Visiativ Switzerland.

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