CATIA V5 Lochkreis bemaßen: So erstellen Sie normgerechte Zeichnungen
Eine korrekte Bemaßung von Lochkreisen ist essenziell für die fehlerfreie Fertigung.
In der CATIA V5 Drafting Workbench gibt es dafür verschiedene Wege – von der manuellen Erstellung bis zur automatisierten Generierung über Bohrungsmuster. In diesem Blog zeigen wir Ihnen, wie Sie effizient zum Ziel kommen.
Inhaltsverzeichnis:
- Voraussetzungen im 3D Modell (Part Design)
- Schritt für Schritt: Lochkreis im Drafting bemaßen
- Video Tutorial: Der komplette Workflow in der Praxis
- Tipps & Tricks für komplexe Bohrungsmuster
- Fazit: Präzise Lochkreis-Bemaßung als Schlüssel zur fehlerfreien Fertigung
- FAQ – Fragen zur CATIA V5 Lochkreisbemaßung
Voraussetzungen: Das Bohrungsmuster im 3D Modell (Part Design)
Bevor Sie die erste Linie im Drafting ziehen, müssen die Weichen im Part Design (3D) richtig gestellt sein. CATIA V5 ist ein parametrisches System – das bedeutet, die Zeichnung „erbt“ die Intelligenz des 3D-Modells.
Definition über das „Circular Pattern“ (Kreismuster)
Anstatt jede Bohrung einzeln mit dem Bohrungs-Feature zu setzen, sollten Sie mit Mustern arbeiten.
- Der Workflow: Erstellen Sie die erste Bohrung (Referenzbohrung) auf dem gewünschten Teilkreisradius. Nutzen Sie anschließend den Befehl „Circular Pattern“.
- Vorteil für das Drafting: Wenn Sie ein Muster verwenden, erkennt CATIA im 2D automatisch, dass diese Bohrungen zusammengehören. Das Programm kann dann auf Knopfdruck eine assoziative Mittellinie (den Lochkreis) generieren, die sich bei Änderungen im 3D (z. B. Erhöhung der Lochanzahl von 4 auf 6) automatisch anpasst.
Die Wahl des richtigen Referenzelements
Damit der Lochkreis im Drafting später konzentrisch zum Bauteil liegt, muss im 3D eine eindeutige Rotationsachse definiert sein.
- Referenz: Verwenden Sie als „Reference Direction“ im Muster-Dialog entweder eine zentrale Achse, eine zylindrische Fläche des Bauteils oder eine Skizzenlinie.
- Profi-Tipp: Achten Sie darauf, dass die Bohrungen „Complete Crown“ (vollständiger Kreis) oder über einen spezifischen Winkel („Angular Step“) definiert sind. Dies steuert, ob CATIA im Drafting einen geschlossenen 360°-Kreis oder nur einen Teilkreisbogen vorschlägt.
Constraints (Bedingungen) in der Skizze
Die Position der ersten Bohrung sollte voll bestimmt (grün markiert) sein.
- Nutzen Sie einen Radius-Constraint vom Zentrum des Bauteils bis zur Bohrungsmitte. Dieser Radius entspricht exakt der Hälfte des späteren Lochkreisdurchmessers.
- Wird dieser Wert im 3D geändert, wandert die Bemaßung im 2D-Drafting automatisch mit, ohne dass das Maß „lila“ (verwaist) wird.
Schritt für Schritt: Lochkreis im Drafting bemaßen
1. Mittellinien und Achskreuze generieren
- Klickpfad: Tools > Options > Mechanical Design > Drafting > Annotation and Dress-up
2. Den Teilkreis (Lochkreis) erstellen
- Erläuterung der Funktion „Center Line with Reference“.
3. Maßlinien und Texte anpassen
- Verwendung des Dimension-Tools.
Video-Tutorial: Lochkreis-Bemaßung in der Praxis
Schauen Sie unserem Applikationsingenieur über die Schulter. Im Video zeigen wir Ihnen den kompletten Workflow von der 3D-Bohrung bis zum fertigen PDF-Drafting.
Tipps & Tricks für komplexe Bohrungsmuster
In der Praxis ist nicht jeder Lochkreis ein einfacher Standardfall. Mit diesen Kniffen meistern Sie auch komplexe Anforderungen im Drafting:
Den Lochkreis-Text „smart“ erweitern
Häufig reicht der reine Durchmesserwert nicht aus. Um die Anzahl der Bohrungen dynamisch hinzuzufügen, nutzen Sie die Dimension Properties:
- Trick: Klicken Sie rechts auf das Maß > Properties > Reiter Dimension Text.
- Nutzen Sie das Feld Prefix, um z. B. „6x “ einzutragen.
- Vorteil: Das Maß bleibt ein „echtes“ CAD-Maß und ist weiterhin mit der Geometrie verknüpft, falls sich der Durchmesser ändert.
Unvollständige Lochkreise (Teilkreise)
Nicht jedes Bohrungsmuster geht über 360 Grad.
- Lösung: Wenn Sie nur einen Kreissegment-Bogen benötigen, können Sie die Endpunkte der Mittellinie über die gelben Anfasspunkte (Overruns) im Drafting manuell ziehen.
- Tipp: Halten Sie die Shift-Taste gedrückt, während Sie die Enden ziehen, um die Kreisform exakt beizubehalten und nicht versehentlich den Radius zu verändern.
Lochkreise ohne 3D-Pattern (Manuelle Methode)
Haben Sie ein Modell erhalten, bei dem die Bohrungen einzeln gesetzt wurden?
- Nutzen Sie den Befehl „Center Line with Reference“.
- Wählen Sie zuerst die zentrale Achse des Bauteils und klicken Sie dann nacheinander alle Bohrungen an.
- Wichtig: Die Reihenfolge des Klickens bestimmt, wie CATIA den Kreisbogen schließt.
Sichtbarkeit und Linienart steuern
Manchmal erscheint der Lochkreis als Volllinie statt als Punkt-Strich-Linie.
- Markieren Sie den Lochkreis, nutzen Sie die Graphic Properties Toolbar und stellen Sie den Linientyp auf „Dash-Dot“ (Typ 4) um. So entspricht die Zeichnung sofort der DIN-Norm für Mittellinien.
Maßhilfslinien unterbrechen
Bei sehr engen Zeichnungen können Maßhilfslinien andere wichtige Details überlagern.
- Trick: Nutzen Sie die Funktion „Interrupt Dimension“, um die Hilfslinie des Lochkreises an einer Stelle kurz zu unterbrechen, damit die Zeichnung übersichtlich bleibt.
Fazit: Präzise Lochkreis-Bemaßung als Schlüssel zur fehlerfreien Fertigung
Die normgerechte Bemaßung eines Lochkreises in CATIA V5 mag auf den ersten Blick wie eine Routineaufgabe erscheinen. Doch wie wir gesehen haben, steckt die Effizienz im Detail:
Wer die Automatismen der Drafting Workbench – wie die assoziative Generierung von Mittellinien aus 3D-Mustern – sicher beherrscht, spart nicht nur wertvolle Zeit, sondern minimiert auch aktiv das Fehlerrisiko bei der Zeichnungsableitung.
Ein sauber bemaßter Teilkreis ist mehr als nur eine technische Notwendigkeit; er ist die eindeutige Kommunikation zwischen Konstruktion und Fertigung. Unklarheiten bei der Interpretation von Bohrungspositionen führen schnell zu teurem Ausschuss oder Verzögerungen im Werkzeugbau.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:
- Nutzen Sie 3D-Patterns: Eine saubere Modellierung im Part Design ist die halbe Miete für das Drafting.
- Automatisierung vor Handarbeit: Verwenden Sie die Dress-up-Features, um Assoziativität zu wahren.
- Klarheit durch Standards: Achten Sie auf eindeutige Texte und Symbole bei der Maßangabe.
Weitere Tipps & Tricks für den Konstruktions-Alltag in CATIA finden Sie auch in unseren Blogbeiträgen „Mehr Effizienz im CAD-Alltag – CATIA Shortcuts individuell anpassen“ und „Schneller auf CATIA Funktionen zugreifen dank Direktaufrufen“.
FAQ´s – Häufig gestellte Fragen
Wie erstelle ich einen Lochkreis in CATIA V5, wenn kein Muster (Pattern) vorhanden ist?
Wenn die Bohrungen manuell platziert wurden, nutzen Sie im Drafting das Werkzeug „Center Line with Reference“. Wählen Sie zuerst den Mittelpunkt des Flansches/Bauteils und danach die einzelnen Bohrungsmittelpunkte nacheinander aus. CATIA verbindet diese dann zu einem assoziativen Lochkreis.
Warum wird mein Lochkreis in der Zeichnung nicht angezeigt?
Prüfen Sie, ob in den Ansichtseigenschaften (Properties der View) unter dem Reiter „Generation“ die Option „Center Lines“ aktiviert ist. Falls der Lochkreis manuell erstellt wurde, kontrollieren Sie in den grafischen Eigenschaften, ob der Linientyp auf „Punkt-Strich“ eingestellt ist.
Kann ich den Text der Lochkreisbemaßung manuell ergänzen?
Ja. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das erstellte Maß und wählen Sie Properties > Dimension Text. Hier können Sie im Feld „Main Value“ Präfixe oder Suffixe hinzufügen, wie zum Beispiel die Anzahl der Bohrungen (z. B. „8x Ø“).
Wie bemaße ich den Winkel zwischen den Bohrungen im Lochkreis?
Verwenden Sie das normale Angular Dimension Tool. Wählen Sie die Mittellinie der ersten Bohrung, den Zentrumspunkt des Lochkreises und dann die Mittellinie der nächsten Bohrung. CATIA erstellt daraufhin das Winkelmaß.
Funktioniert die Lochkreis-Bemaßung in 3DEXPERIENCE genauso wie in CATIA V5?
Die Logik bleibt identisch, da die Drafting-Applikation in der 3DEXPERIENCE auf dem V5-Kern basiert. Die Icons und die Benutzeroberfläche (Action Bar statt Toolbars) sind jedoch moderner gestaltet und die Befehle teilweise intuitiver gruppiert.
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